Was steht als Nächstes an?

13. Oktober 2021

Für diejenigen unter euch, die keine Producer:innen sind, ist das eine ganz „normale Frage“. Vielleicht denkt man an die Abendplanung, den bevorstehenden Urlaub oder das kommende Essen. Für meine Kolleg:innen allerdings hat diese Frage ein ganz anderes Gewicht. Immer wenn mir diese Frage gestellt wird, ändert sich so ein bisschen das Raumklima. Die Umgebungsgeräusche werden leiser, die Augen des ganzen Raums richten sich auf mich und ich höre die Fliege an der Wand husten. Dramatische Darstellung meinerseits? Klar.  Es läuft nicht jedes einzelne Mal so ab, aber in über 70 % Fälle ist das bei mir so.

Ich erkläre euch, wie ich das meine. Kürzlich war ich auf einer Produktion in der Schweiz. Durch Corona laufen Produktionen immer noch unter Sparflamme. Damit meine ich die Besetzung der Crew, die normalerweise wesentlich höher ausfällt. Dadurch übernimmt eine wesentlich kleinere Crew schon mal wesentlich mehr Aufgaben als sonst und versucht (bei einer guten Crew) füreinander mitzudenken.

Mein Plan A – Umsetzungswahrscheinlickeit 15 %?

Zurück zur Produktion. Wie es sich gehört, habe ich vorab Calls geführt, Abstimmungen getroffen und eine ausgiebige Recherche betrieben. Soweit es die Zeit eben zulässt. Ich habe zusammen mit Chris eine Idee für ein Video ausgearbeitet und das ganze zu einem durchaus vorzeigbaren Dokument verarbeitet. Von guten Filmspots, Tageslängen für die unterschiedlichen Lichtstimmungen und Drehgenehmigungen über Interviewfragen, alles, was ein guter Dreh eben so braucht.

Die Idee vorab war solide. Jetzt kein neuer Blockbuster, aber zufriedenstellend. Dachte ich bis zur Abfahrt. Nach 8-stündiger Fahrt am Ziel ankommend, waren wir beide doch nicht mehr so von unserer Idee überzeugt. Warum? Kann ich ehrlich nicht beantworten. Irgendwas hat im Kopf gearbeitet. Normal, wenn ich mich auf eine Produktion vorbereite.

Doch was tun in dieser Situation? Alles wie abgesprochen belassen oder noch mal von vorne anfangen?

Es wird bestimmt Plan B – oder?

Da wir unseren Job wirklich aus totaler Überzeugung machen, bin ich zur Rezeption des Hotels und habe nach einem Zettel und Stift gefragt – und 2 Bier. Ein ziemlich guter Kollege von uns sagte einmal, wenn du abends eine gute Idee unter Freunden hast und am nächsten Tag davon noch überzeugt bist – dann mach sie. Daran musste ich denken. Und auf der anderen Seite, was hatten wir schon zu verlieren? Durch unsere Erfahrung sind wir immer in der Lage, das bestmögliche aus einer Situation herauszuholen. Dafür machen wir den Job schon ein paar Tage.

Also fingen wir wieder von vorne an. Brainstorming. Neue Ideen. Neue Verknüpfungen. Was ist umsetzbar? Der Prozess für die Ideenfindung fühlte sich sehr richtig in diesem Moment an. 2 Stunden und einige Zettel später hatten wir eine neue Idee, die es umzusetzen galt. Mit diesem beruhigenden Gefühl schlief es sich dann ganz gut.

Am nächsten Tag bei der Produktion waren wir immer noch überzeugt von unserer neuen Idee – also setzten wir sie um. Vor Ort erklärten wir dann unser neues Vorgehen und alle waren einverstanden mit den Änderungen. Denn auch unsere Protagonisten hielten noch die ein oder andere Planänderung für uns bereit. Also alles wie immer.

Wie viele Pläne braucht es denn nun?

Warum also die Frage: Was steht als Nächstes an?

Wenn ich eine Produktion plane (was, mir tatsächlich Spaß macht), dann versuche ich vorab an so viele Dinge wie nur möglich zu denken. Ich spiele unterschiedliche Szenarien in meinem Kopf durch. Gucke nach dem Wetter, denke an Coronabedingungen, überlege mir nicht nur einen Plan B, sondern eher einen Plan F. Denn ich weiß, auch dieser Plan wird abweichen. Warum ich das dann überhaupt Pläne erstelle? Ganz einfach, weil sie mir Sicherheit geben. Während einer „normalen Produktion“ wird mir die Frage: Was machen wir als Nächstes durchschnittlich 20-30 Mal pro Tag gestellt. Durch äußere Einflüsse ändern sich diese Pläne. Darauf kann ich mich zu 100 % verlassen. Genauso wie auf meine Crew. Wenn ich die Frage gestellt bekomme, bedeutet das zu einem, meine Crew ist voll im Fokus und konzentriert auf die Aufgabe. Und zum Anderen bedeutet es, dass sich wahrscheinlich etwas am Plan geändert hat. Worauf ich eine Lösung finden werde – auch gemeinsam mit der Crew.

Was steht als Nächstes an, kann aber auch einfach bedeuten, dass unser Plan läuft und wir nichts vergessen wollen, wie z. B. eine Mittagspause. Diese Frage also mit gesunder Selbstsicherheit zu beantworten, ist Teil meiner Aufgabe. 

Häufig ist mir die Verantwortung meiner Producer:innen Rolle während einer Produktion nicht so präsent. Wenn diese Frage jedoch fällt, weiß ich, dass Entscheidungen erwartet werden. Diese treffe ich gerne. Jedoch fällt mir die „Was steht als Nächstes an?“- Frage im Alltag immer mit einem Schmunzeln auf.

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