Der Wirtschaftsfilm 2020 und was er uns bedeutet

20. Juli 2020

Dieses Jahr ist ein Besonderes, wohl nicht nur für uns. Viele Filmemacher und Kollegen haben sich am Anfang dieses Jahres nicht gedacht, dass es so eine Wendung nehmen wird. Wir sind mittlerweile seit 5 Jahren im Geschäft, lernen und verbessern uns jeden Tag. Mal bleibt zum (Dazu)Lernen mehr Zeit, mal weniger.

Jetzt hat jeder zum Thema Corona seine eigene Meinung und das ist auch gut so. Für jeden stellen sich neue Herausforderungen und Aufgaben. Ängste machen sich breit. Verzweiflung tritt ein. Jeder Mensch geht anders mit diesen Ängsten und Herausforderungen um. Darum ist es auch schön, wenn Ratschläge und Meinungen nur ausgeteilt werden, wenn ausdrücklich darum gebeten wird. Denn sind wir mal ehrlich – man kann einem Menschen genau bis vor den Kopf schauen und nicht einen Zentimeter weiter.

In der gezwungenen Auszeit stellten sich auch viele Fragen für uns. Ich werde jetzt bewusst keine Corona Debatte aufmachen mit Sätzen wie, „Ist doch toll, dass ihr jetzt mal Zeit für euch habt“, „Endlich macht ihr auch mal frei“, „der Staat hilft euch schon“, „so ein bisschen Pause tut jeden gut“….

aber was heißt das für uns?
Was Filmemachen für uns bedeutet

Wie anfänglich erwähnt, jeder Mensch ist selbstbestimmt und kann im besten Fall individuell entscheiden, was ihm guttut und was er braucht, um sich gut zu fühlen. Damit es uns gut geht und wir uns gut fühlen, wollen und brauchen wir sogar das Filmen. Denn das ist unsere Leidenschaft. Das ist nicht einfach nur ein Hobby. Das kann man nicht einfach abstellen. Ja man braucht Pausen, aber wir brauchen das Filmen ein bisschen mehr als Pausen. Daher war die Zwangspause für uns um es mal milde auszudrücken – schwierig. Nicht nur, dass unsere Existenz davon abhängt, dass wir filmen können. Jeder Kreative weiß, dass wenn man in gewohnten Routinen bleibt, der Flow einfacher fließt. Und im Fluss zu sein ist etwas Gutes für uns.

In unserer „Pause“ hat sich manifestiert, dass wir auf dem richtigen Weg für uns sind. In diesem Jahr schreiben wir uns auf die Flagge, Filme zu produzieren, die Menschen bewegen. Dies soll kein Jahresprojekt werden, sondern eine Lebensaufgabe. Denn mit dieser Mission fühlen wir uns gut und wohl. Bloß wie produzieren in Zeiten des Lock-down? Und noch viel wichtiger, was?

 

und wie der Zufall so will…
Häufig fügen sich die Dinge

Ein ehemaliger Schulfreund schickte mir einen Link für den Wirtschaftsfilmpreis mit dem Kommentar „Da könnt ihr doch sicher was einreichen“. Der deutsche Wirtschaftsfilm wird jedes Jahr erneut verliehen seit über 50 Jahren. Ziel ist es die Bedeutung der Wirtschaft in Deutschland erfahrbar zu gestalten und auf die Innovation Aufmerksamkeit zu lenken. Gleichzeitig soll Wissen vermittelt werden und mögliche Zusammenhänge dürfen erklärt werden. Klingt erstmal wie eine ziemlich trockene Mammutaufgabe.

Der Zeitraum von der Bekanntgabe bis zur Abgabe des fertigen Films betrug für uns 4 Wochen. Also für uns, da wir zuvor noch nicht von diesem Preis gehört hatten. Klingt nicht machbar? Dachte ich am Anfang auch. Jetzt galt es das ganze RR Team von dem Preis zu überzeugen, denn sowas schafft keiner alleine. Die beiden guckten mich bloß mit großen Augen an und meinten, wenn du eine Idee ausarbeitest und uns überzeugst, sind wir dabei.

Wir haben doch nur vier Wochen!
Das Treatment

Also schrieb ich an einem Tag ein Treatment zusammen, um alle aufkommenden Ideen zu visualisieren. Da wir seit Jahren in der Gaming Branche verankert sind, fiel mir das Thema „Gaming Branche“ in den Schoß. Da der Schwerpunkt durch den Preis vorgegeben war, ergab sich „Wirtschaft in der Gaming Branche“ als Titel sehr schnell. Doch wie nun einen Film produzieren unter Corona Bedingungen und das Ganze in nur vier Wochen? Unter normalen Bedingungen wäre das schon sehr ambitioniert.

Wir mobilisierten sämtliche Kontakte aus unserem Netzwerk und überzeugen mithilfe des Treatments von unserer Idee. Diese Idee festigte sich von Tag zu Tag mehr. Viele Kollegen halfen uns sofort, sei es als Kameramann, als Mittelsmann oder als Darsteller für unseren Film. Einfach nur perfekt.

 

Im Einsatz: Mund- & Nasenschutz wie auch Teleobjektive & Tonangel

 

Der Titel des Films ist genau „Wie verdient man in der Gaming Industrie Geld?“ Dazu drehten wir an verschiedenen Locations in sehr schmaler Besetzung, unter Einhaltung aller Hygiene Maßnahmen. Die Idee war es, die Gaming Branche, auch für uns aus einer neuen Perspektive zu
zeigen – aus einer sehr wirtschaftlichen.

Wir stellten Fragen über Firmenkonzepte, Zahlen, Daten und Fakten an Firmen, die es aus unserer Sicht geschafft haben, sich erfolgreich in der Gaming Branche zu etablieren. Dabei wollten wir auch unterschiedliche Zweige zeigen und vor allem auch diverse Größen von Firmen. Denn es gibt genauso erfolgreiche 2-Mann/Frau Firmen in der Gaming Branche, wie mittelständische Firmen mit 100 Mitarbeitern und mehr.

 

Worum geht es überhaupt?
Inhaltlicher Aufbau des Films

Den Hauptteil des Films schmücken

 

„TAKE TV“ hat sich über die letzten Jahre vom Einzelunternehmer und Profispieler mit Online Streaming, zu einer 40-köpfigen Crew entwickelt. Mittlerweile verdient Dennis Gehlen, der Gründer von „TAKE TV“ sein Geld nicht mehr nur durchs Streamen. Weitere Standbeine sind hinzugekommen und er hat sich seine eigene Marke aufgebaut. Ein sehr spannendes Geschäftsmodell in der Gaming Branche.

 

Zu Gast bei Dennis Gehlen von TaKeTV

 

Marco Wörenkämper, der Geschäftsführer von „NEEDforSEAT“, ließ uns erneut in seine heiligen Hallen und war für ein Interview zum Thema Wirtschaft bereit. Seine Perspektive ist eine besondere, denn er entwickelte Gaming Stühle aus einer Passion heraus. Um die Sichtbarkeit für seine Produkte zu maximieren, trat er mit „MAXNOMIC“ als Sponsor ins Gaming Business ein und zeigt eine ganz andere Sichtweise auf die Dinge.

 

Mr.Maxnomic persönlich vor der Kamera

 

Die „ESL“ ist ein wachsendes Unternehmen mit Hauptsitz in Köln und einem Gründer, der das Spielen nie aufgegeben hat, Ralf Reichert. Christopher Flato, der Pressesprecher der „ESL“, half uns mit seinem Interview, das Wirtschaftsmodell der „ESL“ in der Gaming Branche besser zu durchblicken. Hier gibt es ein 5-Säulen-Modell. Wieder was gelernt.

 

Im HQ der Electronic Sports League.

 

Die „gamescom“ und die Spielehersteller sind ein sehr essenzieller Part in der Gaming Industrie. Warum? Ohne Spieleentwickler und Publisher würde es die Branche gar nicht geben. Die Industrie ist riesig und spätestens auf einer „gamescom“ wird einem bewusst, wie riesig. Die „gamescom“ ist die Plattform, auf der sich alle treffen. Hier wird Business gemacht. Es ist die weltgrößte Spielemesse und findet jährlich in den Kölner Messehallen statt. Hier kommt die Branche zusammen und es werden Weltneuheiten vorgestellt.

Die Spielecharakter zum Leben erwecken sogenannte Cosplayer. Cosplayer bauen Kostüme aus diversen Spielen nach und verkleiden sich unter anderem auf einer Convention oder aber auch auf der „gamescom“. Die Kostüme sind sehr zeitaufwendig und kostenintensiv in der Produktion. Ben und Maja Bergmann haben es geschafft daraus ihr Business in der Gaming Branche zu bauen. Sie fliegen um die ganze Welt und werden z.B. als „Gerald von the Witcher“ gefeiert.

 

Maul Cosplay gewährt uns einen Blick hinter die Kulissen

 

Dass, das Spielen quasi in unseren Genen verwurzelt ist, erklärte uns Cord Neubersch, der psychologischer Psychotherapeut von Beruf ist. Er erklärt uns wie wichtig das Spielen für den Menschen generell ist und wie sich unsere kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten durch das Spielen verbessern. Er ist der Spezialist und nimmt uns mit auf eine 20-minütige Erklär-Dokumentation durch die Wirtschaft in der Gaming Industrie.

 

Die wissenschaftliche Perspektive im Film: Cord Neubersch

Dann gab es 4 Terabyte Material
Die Produktion hinter dem Film

Die Vorprodukten für diesen Film dauerte etwa eine Woche, die Produktion knapp 1,5 Wochen. Die Postproduktion verschlang die restliche Zeit. Wir fanden einen Sprecher, der uns bei unserem Vorhaben eifrig unterstützte. Dank unserer sehr lieben Kollegen gab es Unterstützung bei der Kameraarbeit und bei der Erstellung von Grafiken.

Wir hatten wirklich eine menge Datenmaterial zum Durchschauen. Die Interviews haben wir natürlich sehr gezielt gesetzt, doch auch im Schnitt merkten wir wieder, wie schwer es ist wirklich tolle Antworten aus dem Film zu schneiden. Denn wir merkten schon beim Rohschnitt, dass wir bei über 20 Minuten Filmlänge landen werden.

Für einen guten Workflow erarbeiteten wir vorab einen Schnittplan, damit jeder weiß was er oder sie zu tun haben. Am Ende setzten wir alle Teile zusammen und standen vor der nächsten Aufgabe – der Musikauswahl. Beim zweiten Anlauf hat auch das gut zusammen gepasst. Alle glaubten an diesen Film und wenn einer aus dem Team ein bisschen den Mut verlor, haben wir es am Ende des Tages doch immer hingekriegt, dass alle mit einem guten Gefühl nach Hause sind.

Wenn die Deadline immer näher rückt, fallen Nachtschichten an. So war es auch bei diesem Film. Eingedeckt mit kiloweise Schokolade und Süßigkeiten schafften wir die Abgabefrist einzuhalten und den fertigen Film morgens um 4:00 Uhr einzureichen.

Dankbar für alle Hilfe und Unterstützung bei diesem Projekt haben wir unsere „Pause“ dieses Jahr anders genutzt. Todmüde und überglücklich diesen Film eingereicht zu haben, zeigt uns, dass wir es geschafft haben.

 

Detail Aufnahmen vom Spielen selbst

 

und so richtig motiviert…, oder?
Warum wollen wir einen Filmpreis gewinnen?

Tja das ist eine gute Frage. Wir sind im täglichen Wettbewerb mit vielen anderen Filmemachern. Wir werden ständig beurteilt. Das ist anstrengend. Dieser Film hat uns gezeigt, dass wir ein tolles Kollektiv und Netzwerk um uns herum haben. Wir sind sehr stolz auf diesen Film und auch das Feedback bestätigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Einen Preis zu gewinnen, ist nicht essenziell. Es sagt nichts über die Qualität eines Filmemachers aus, denn das Handwerk zu erlernen, dauert zwar ein paar Jahre, ist aber kein Hexenwerk. Die Kunst besteht darin, seine Individualität in den Film einzubringen. Und daran arbeiten wir sehr hart jeden Tag.

Jeder weiß, erfolgreiche Filmemacher werden nach ihren Preisen und Blockbustern bewertet, nicht nach dem Weg dorthin. Denn den will selten jemand sehen.

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