Was eine Producerin lesen sollte

15. April 2020

Woher holt man sich als Producer Inspiration? Wie produziert man Ideen? Woher weiß man, dass diese Ideen auch gut sind?

Ganz ehrlich? Wenn man sie aufschreibt, oder drüber spricht. Ob man das so pauschal sagen kann? Nein, denn ich habe in den letzten Jahren festgestellt, dass gute Ideen nicht unbedingt auch als gut von anderen befunden werden. Warum? Aus den unterschiedlichsten Gründen. Manchmal, oder eher häufiger, spricht da der Neid aus den Menschen, wenn eine gute Idee madig gemacht wird.

Das verunsichert. Das ist menschlich. Ich habe daraus gelernt, dass ich mit meinen Ideen abwarte und sie wachsen lasse, bis ich das Gefühl habe, dass sie gereift sind und ich sie mit den richtigen Argumenten verteidigen und um sie kämpfen kann wenn nötig.

Doch zurück zum Thema. Ich habe in einem vorherigen Beitrag schon einmal über Inspirationsquellen geschrieben, die für mich gut funktionieren. Das waren Dinge, wie spazieren gehen, Bücher lesen usw.

Bücher zu lesen, hat schon als Kind einen großen Raum in meinem Leben eingenommen. Doch muss ich gestehen, dass sich meine Liebe für Worte in den letzten 10 Jahren neu entfacht hat. Warum? Eine direkte Antwort darauf zu geben, fällt mir schwer. Ich denke, ein Grund ist, dass Social Media, Fake News und Co, mich dazu verleitet haben, Abstand zu nehmen. Ich bin müde geworden, vorgebildete Antworten auf Fragen zu lesen, die ich gar nicht gestellt habe.

Daher bin ich zurück zum guten alten Buch. Ich bin generell ein Freund der Haptik. Mein Opa hat früher schon die dicken alten Geschichtsbücher rausgeholt, um mir etwas über die Zukunft beizubringen. Diesen Zauber hat es für mich nie ganz verloren. Also zurück zu den Klassikern, die Neuauflagen und die Sachbücher. In der Uni habe ich eine menge Fachliteratur verschlungen, natürlich weil es mich interessiert hat. Heute die richtigen Bücher zu finden, ist manchmal gar nicht so einfach, weil niemand (kein Lehrer oder Professor, oder Opa) mehr eine Bücherliste rausgibt und somit einen möglichen Weg an guter Literatur aufzeigt.

Also was liest man heute als gute Producerin?

Ich finde, eine gute Producerin sollte eine relativ starke Allgemeinbildung haben. Das bedeutet nicht, dass man zu allem seinen Senf dazu geben soll. Für mich bedeutet es, dass ich wissen möchte, was in der Welt passiert und wie Zusammenhänge entstehen und zu bewerten sind.

Dabei habe auch ich Themen, die mich mehr interessieren und natürlich auch Themen, die es mir schwer machen, Zugang zu finden. Aber wie so häufig kann man aus seiner Komfortzone herauskommen, wenn man sich weiterentwickeln will. So ist es auch bei mir.

Ich habe im letzten Jahr eine persönliche Challenge angefangen, jeden Monat ein Buch zu lesen. Dabei war es wichtig, dass Abwechslung in der Bücherliste entsteht. Es müssen immer ein Klassiker, ein Sachbuch und ein Roman abwechselnd sein.

Warum diese Auswahl?

Ich finde, und das hat schon mein Opa zu mir gesagt, man lernt aus der Geschichte. Wenn ich verstehen will, was gerade passiert und was es schon gab, dann gucke ich mir Klassiker an. Und ja, es ist eine große Überwindung einen Hemingway zu lesen. Und was bringt es mir?

Ehrlich gesagt – alles. Durch ihn habe ich gelernt, wie schwer es ist, die richtigen Worte zu finden. Die Kunst bei ihm liegt in der Einfachheit der gewählten Worte. Das bewusste Weglassen von Worten erzeugt Bilder in meinem Kopf, das ist die wahre Kunst.

Sachbücher sind da natürlich auch keine willkommene Abwechslung. Meistens sind sie sehr trocken. Je nach Autor finde ich nur schwer Zugang zum Thema. Aber wenn ich auch nur einen neuen Fakt daraus lerne und für meine weitere Zukunft verbauen kann, hat es sich gelohnt, z.B. ein Buch über Oktopoden zu lesen. Ja, es heißt nicht Oktopusse, wenn ihr mal irgendwo angeben wollt.

Zu guter Letzt der Roman. Romane sind die für mich die wahren Storyteller. Durch sie lerne ich unfassbar schnell, wie man gute Geschichten schreiben und produzieren kann. Auch sie sind eine wahre Inspirationsquelle für mich. Ich lerne, wie man Charakter darstellen kann, wie man sie beschreiben kann und was es in mir auslöst. Denn auch ich möchte Geschichten erzählen, die Menschen bewegen. Das ist mein Ziel mit meiner Arbeit.

Meine Top Inspirationsquelle sind also Bücher. Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Ich habe meine Challenge im letzten Jahr übrigens geschafft und sogar übertroffen. Da erreichte Ziele bedeuten, man hat sich die Ziele nicht hoch genug gesteckt, wollte ich in diesem Jahr mehr erreichen. Also lautet meine neue Challenge pro Monat 3 Bücher zu schaffen. Das ist mal eine Mammutaufgabe. Zum eigenen Ansporn gibt es jetzt die Liste der Bücher, die ich Stand heute (April) gelesen habe seit Januar 2020:

  • Sofia trägt immer schwarz – Paolo Cognetti
  • Rendezvous mit einem Oktopus – Sy Montgomery
  • Die letzten ihrer Art – Maja Lunde
  • Three Women – Lisa Taddeo
  • Schnee auf dem Kilimandscharo – Ernest Hemingway
  • Gebrauchsanweisung für Norwegen – Ebba D. Drolshagen
  • Nordische Götter – Johan Egerkrans
  • Der Salzpfad – Raynor Winn
  • Unsichtbare Frauen – Caroline Criado-Perez
  • Der Marshmallow Effekt – Walter Mischel

Wir haben April, ich hänge meinem Zeitplan wohl etwas hinterher. Das ist aber kein Problem, wenn ich nur 70 % von meinen (hohen) Zielen erreiche, was meine Bücherliste angeht, kann ich sehr zufrieden sein. Denn was wäre die andere Option? Richtig, nicht zu lesen – und das ist keine Option für mich.

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