Ordnung ist etwas für Primitive

17. Februar 2020

“Ordnung ist etwas für Primitive, das Genie beherrscht das Chaos” – Albert Einstein.

 

Ein Spruch, der Vielen bekannt ist. Auch ich bin der Meinung, dass man diese Weisheit auf viele unterschiedliche Aspekte des Lebens anwenden kann, ob das gut oder schlecht ist, sei jedem selbst überlassen. Meiner Meinung nach gehören für einen guten Workflow und ein langfristig effizientes Arbeiten im Bereich des Editings gute Strukturen und beste Ordnung zum A und O. Diese Strukturen behalte ich bei jedem Schnittprojekt bei – egal, ob es sich um ein kleines 60 Sec. Recap oder um einen umfangreichen Kurzfilm mit über 25 Szenen handelt.

 

  • Was genau bedeutet eigentlich Ordnung und Struktur im Schnitt?

  • Wodurch zeichnen sich gute Strukturen aus?

  • Warum ist es so wichtig immer eine gute Struktur zu haben?

 

Genau auf diese Fragen werde ich im folgenden Abschnitt etwas genauer eingehen. Dazu betrachte ich unterschiedliche Beispiele aus meinem eigenen Schnittworkflow und versuche Vorteile einer guten Struktur und Ordnung deutlich zu machen.

Was genau ist eine gute Struktur?

1. Ordnersystem:

Zur übersichtlichen Unterteilung alle “Elemente” im Schnittprogramm anlegen.

2. Unterteilung des gesamten Materials in einzelne Kategorien:

Durch sinnvolle Unterteilung spare ich unnötiges Gesuche und verbessere meinen Workflow. – Beispiele für eine solche Unterteilung sieht man im Beispielbild, dabei handelt es sich um einen Screenshot aus meinen eigenen Projekten.

3. Nummerierung und Beschriftung jeder Timeline:

Ein kleiner Trick, der chronologisches Arbeiten deutlich vereinfacht und übersichtlicher gestaltet.

4. Farbeinteilung der Timeline:

Ein einfacher Trick, um sich schneller in komplexen Projekten zurechtzufinden.

5. Eine gut durchdachte Einteilung der Timeline:

Dazu gehört für mich eine durchgehende Nummerierung und Beschriftung, sowie eine passende Farbeinteilung der Timeline.

5.1 Track 1 = Story
5.2 Track 2 = B Roll

5.3 Usw.

6. Gleiche Vorgehensweise in allen Projekten:

Routine verbessert die Übersicht und dadurch wird man schneller. Das scheint zu Beginn, vor allem für Neulinge im Schnitt, sehr zeitaufwendig und besonders bei kleinen Projekten übertrieben, zu wirken. Doch muss man nach ein paar Tagen oder Wochen noch mal in ein älteres Projekt schauen und jedes Projekt ist gleich strukturiert, findet man sich schnell zurecht und spart eine Menge Zeit. Und warum das Anlegen einer allgemein übersichtlichen Struktur sinnvoll ist, führt uns auch schon zum nächsten Punkt.

Wodurch zeichnen sich gute Strukturen aus?

Beständigkeit und Detailverliebtheit sind weitere Zeichen einer guten Struktur. Das heißt, dass man als Cutter, meiner Meinung nach, auf so was achtet wie Namensgebung der einzelnen Video- und Audiospuren. In jeder Sequenz, jeden Protagonisten mit einer anderen Farbe kennzeichnen, genauso wie Schnittbilder, Soundeffekten und Grafiken, die wir in unseren Timelines verwenden. So bekommt man schnell einen guten Überblick über das Material, das ich in meiner Timeline habe, und kann so schneller arbeiten. Schnittprogramme wie Premiere Pro oder Davinci Resolve geben die Möglichkeit für Ordnerstrukturen oder Timelines Vorlagen zu erstellen, die individuell angelegt werden können.

Wenn wir unsere Projekte strukturiert und immer mit einer gleichbleibenden Ordnung aufbauen, haben wir nicht nur selbst den Vorteil, einer schnellen Orientierung in unsern eigenen Projekten. Auch andere Cutter können sich schnell und einfach in unserer festgelegten Struktur zurechtzufinden. Was vor allem in größeren Unternehmen, in langfristigen Projekten oder in Zusammenarbeit mit Freelancern öfter vorkommen kann.

Beim Schneiden selbst ist ein gutes Grundkonzept hilfreich.

Hat man als Cutter sein gesamtes Material sortiert, gewinnt man direkt einen ersten sehr guten Eindruck über das Footage. Natürlich sollte man noch einmal sein gesamtes Material Shot für Shot sichten, um eine gute und umfassende Übersicht zu bekommen. Beim Schneiden kommt man immer wieder an einen Punkt, bei dem man sich denkt “jetzt würde dieser eine Shot perfekt passen!”.

Arbeitet man in einer guten Struktur und hat eine gute Übersicht, findet man alles, was man braucht innerhalb wenigen Sekunden. Genau diese Arbeitsschritte sind es, die einem auf lange Sicht viel Zeit und auch Nerven sparen. So wird das “Cutten” von einer endlosen “Footage Suche” zu einer “Kunstschaffenden Arbeit”. Es kosten eventuell die erst paar Projekte Zeit und Überwindung jedes Mal aufs Neue alles zu strukturieren oder Arbeitsschritte nicht “mal eben schnell” zu machen.
Zusammenfassend kann man zwar davon ausgehen, dass das Genie das Chaos überblickt, aber man als strukturierter Cutter mehr Zeit hat für das worauf es ankommt – und zwar auf die Kunst des Cuttens und nicht auf eine unendliche Footagesuche.

Also lasst euch gesagt sein, egal wie gut wir mit dem Chaos umgehen können, es macht immer mehr Spaß, in einem gut strukturierten Projekt zu arbeiten.

Autor: Jörn Buttkereit

 

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