Außenwirkung und wie sie innen wirkt

30. Januar 2020

Wenn man selbstständig ist, seinen Wurzeln treu bleiben will und obendrein natürlich als gute Unternehmerin alles richtig machen will, setzt man sich früher oder später mit dem Thema Werbung auseinander – ob man will oder nicht.

Der Mensch ist so konzipiert, dass er sich ständig vergleicht, mit anderen Menschen, Firmen oder auch Gruppen. Und es ist selbstverständlich nichts Neues, das der Schein häufig trügt. Wenn man sich als Firma oder Unternehmerin positionieren möchte, guckt man zuerst mal was die anderen machen.

Sofort wird man überströmt an einem Meer aus Social-Media-Kanälen (die man wirklich alle haben muss), Flyer, Autowerbung und wilden Marketing Maßnahmen von Hippen Agenturen. Schnell steht man vor der Aufgabe herauszufinden, was für einen selbst die richtige Maßnahme ist nach außen zu wirken. Klingt einfach, ist es aber nicht. Ich kenne keinen Menschen auf der Welt, der seinen Briefkasten öffnet und sich denkt „WOW endlich wieder ein neuer Pizzalieferdienst, den Flyer hefte ich mir mal an den Kühlschrank.“ Trotz dessen werden die Leute nicht müde, die Briefkästen zu füttern.

Anders ist es (wenn man wie ich häufig im Stau steht) wenn man die Zeit hat Autowerbung zu begutachten. Auf was kommt es da an? Auffällige Farben? Ein cooler Slogan? Ich habe festgestellt, wenn ein Auto furchtbar beklebt ist, spreche ich automatisch der Firma dahinter die Kompetenz ab, obwohl es zu 99% nicht deren Schuld ist.

Was ist nun das richtige für eine kleine Filmproduktion?

Denn das sind wir, keine One-man-show und kein Riesenkonzern. Wir sind Kreative, die andere Firmen beraten ihre Außenwirkung optimal ins Licht zu stellen. Nun ist es so, dass man als Filmproduktion keinen Gegenstand per se verkauft und wenn man es ganz genau betrachtet auch keine Dienstleistung – man verkauft eine Vision, die man in seinem Kopf hat. Wie sieht die optimale Werbung dafür aus? Die meisten stimmen mir zu, wenn ich sage, dass es schon schwierig ist, eine Idee (eines Films) einem anderem Menschen zu erklären, denn der gibt in der Regel ein menge Geld dafür aus. Schließlich kann er schlecht in meinen Kopf schauen. Der Schlüssel hier – Vertrauen. 

Ein Tischler zum Beispiel kann einige seiner Ausstellungsstücke zeigen, man kann sich das Holz aussuchen, die Größe bestimmen und bekommt mit ziemlicher Sicherheit den vorgestellten Tisch. Bei einem Film ist das anders.

Einige Variablen sind ähnlich. Man bestimmt die Länge des Films, das Thema oder den Schwerpunkt und redet über den Stil. Ab diesem Zeitpunkt kommen einige Faktoren dazu, z.B. bei einer Dokumentation, die man nicht – oder nur wenig beeinflussen/vorhersehen kann. Zu 90% ist der Kunde am Ende zufrieden mit dem Produkt/Film und wenn alles super gelaufen ist, empfiehlt er gerne weiter (auch eine super Form der Werbung).

Wie kann ich nur Werbung für z.B. Dokumentationen optimal angehen? Denn die nächste Doku wird garantiert anders. Selbst wenn das Thema identisch ist, wird es einen anderen Film geben, z.B. weil die Jahreszeit, die Menschen, die Auslegung etc. eine andere ist.

Wie macht man nun Werbung für Visionen?

Wir diskutieren häufig über die richtige Außenwirkung. Wie stellt man eine gute Vielfalt dar? Auf welche Projekte ist man wirklich stolz? Welche Filme darf man öffentlich präsentieren? Denn fast die Hälfte der Produktionen, die wir fahren sind zu internen Zwecken bestimmt oder white labelt. 

Auf Social Media Kanälen wird man schnell fündig. Instagram zeigt coole Behind-the-scenes-Bilder und Storys; bei Facebook kann man sich auf unterschiedliche weise „darstellen“, Anzeigen schalten und Google mit häufigen Postings beeindrucken. Aber bringt das wirklich etwas? Und wenn ja, was? Für mich hat sich Facebook und Co als moderne Flyer Variante herausgestellt. Ständig und jeden Tag wird mein Briefkasten gefüllt, mit Postings, die mich nicht interessieren. Der Negativitäswahn wird ab und zu durch Katzenvideos unterbrochen. Nicht nur aus firmentechnischen Gründen gibt es da wenig Mehrwert als (kleine) Filmproduktion. Wir haben uns entschlossen auf Facebook in Zukunft zu verzichten.

Unser Motto in diesem Jahr steht unter den Sternen: Back to the Roots. Wir wollen unseren Wurzeln treu bleiben, uns erinnern, womit wir begonnen haben. Tolle Portraits über großartige Menschen zu produzieren und mit eigenen Projekten anderen zeigen, was in uns steckt. Denn Gutes wird sich immer durchsetzen und ist gegen Trends immun, damit wirken wir nach außen am besten. Also warum nicht mal mutig sein und es anders machen, als die Anderen.

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