Wie ich die richtige Musik zum Film finde


18. Mai, Düsseldorf

Über „Musik und ihre Wirkung“ kann man Bücher schreiben und selbstverständlich auch kaufen wie Sand am Meer. Jeder, der schon einmal einen Film produziert hat, stand garantiert vor der Herausforderung, welche denn nun die einzig wahre – ja die perfekte Hintergrundbespielung für den Film ist. Und da gehen einem wirklich sehr viele Fragen durch den Kopf: Soll es etwas Modernes sein? Wäre etwas Zeitloses nicht am Besten für einen Imagefilm? Oder doch lieber klassisch?
Aber was genau ist denn bitte zeitlos?
Wenn man Leute vorab fragt, welche Musik sie denn für ihren Film bevorzugen würden, kommen da Adjektive wie: fetzig, ausgefallen und/oder stylish.
Was mich zu meiner nächsten Frage bringt: Kann Musik stylish sein? Sind das nicht eher Beschreibungen für Mode oder allgemein Bilder, als für akustische Gebilde? Und dann spielt da ja auch noch der eigene Geschmack eine nicht ganz unwesentliche Rolle. Inwieweit kennt man sich selbst mit Musik wirklich gut aus? Muss man sogar selbst Musik machen, um zu wissen „was funktioniert“?

So viele Fragen und dann die Suche nach der „Eier legenden Wollmilchsau“

Mit der Musik verhält es sich wie mit Filmen. Man muss in die Vergangenheit schauen, um die Zukunft zu verstehen. Wer sich nicht mit den verschiedenen Genre auseinandersetzt und sich verschließt vor Musik, die „er/sie nicht mag“, versteht meist nur schwer, welche Wirkung Musik an unterschiedlichen Stellen im Film hat. Welche Stimmung sogar erzeugt wird. Denn ist nicht erst das perfekte Zusammenspiel von Bild und Ton ein perfekter Film? Der Punkt ist meistens erst erreicht, wenn dem Zuschauer gar nicht auffällt, dass es sich beim Gesehenen um einen Film handelt. Erst wen ein(e) Szene/Film natürlich wirkt und der Zuschauer sich keine Gedanken über Szenen macht, lässt er sich vollkommen auf den Film ein.

Doch den Geschmack nicht von vielen, sondern von allen zu treffen, ist quasi unmöglich.

Verleiht man seinem Film berühmte Musik, die medial ein Hit ist, wird der Film auch ganz vorne mitspielen?! Die ganz Großen machen es vor. Hier ein Beispiel von Nike.

 

 

Der Song von Beyoncé ist ein mega Hit. Jeder kennt diesen Song. Doch das Video ist nicht (ausschließlich) so gut, weil die Macher sich dafür entschieden haben. Die Settings im Video, Bildaufbau, Licht und die Idee hinter dem Film sind perfekt inszeniert und umgesetzt. Die Firma Nike hat sich bewusst für diesen Power Song entschieden, der den Spot zu einem runden Film macht. Die Kraft der Musik passt zu 100 % zu der Kraft der Bilder.  Die Wirkung ist ganz klar und auch an wen sich dieser Spot richtet. Nicht erst nach dem Song „Run the World (Girls)“

Dann hätten wir da noch die klassische Musik. Nicht erst seit berühmten Geigern wieder salonfähig. Klassische Musik wirkt auf viele Menschen beruhigend und klar, kann aber genauso dramatisch und aufwühlend sein. Klassische Musik, modern interpretiert, nutzten wir zuletzt bei einer Event-Dokumentation in Köln. Der ESL One Cologne. Das Schöne an dieser Art von Musik ist die Beständigkeit. Sie ist aufgebaut wie die Dramaturgie in der Literatur. Bei einem eSport Video mit klassischer Musik (modern interpretiert) aufzutrumpfen, ist gewagt, passt jedoch perfekt zu den Bildern. Die volle Bandbreite des Songs wird in der Variabilität der Bilder klar – die Stimmung, die Atmosphäre. Einmalig. Würde man dieses Video nun mit einem Rocksong untermauern, hätte er sofort eine ganz andere Wirkung.

Ein allseits beliebtes musikalisches Mittel ist der „Dubstep“.

Mit dieser Art von Musik kann man selten etwas falsch machen. Man erreicht eine breite Zielgruppe und „tanzt nicht aus der Reihe“. Wenn man diverse Songs dann zusätzlich mit den richtigen Soundeffekten versetzt, wird aus jeden Dubstep Song mit Auswahl der perfekten Bilder, ein Sahnestück.

 

Hier am Beispiel eines Aftermovies aus dem Jahre 2015. „Windgeräusche und Schritte“ am Anfang des Films in Kombination mit ruhigen Bildern erzielen die Aufmerksamkeit des Zuschauers. Dann bekommt der Film genug Raum zum Wirkenlassen der Bilder. Die Musik rückt in den Hintergrund und die O-Töne wichtiger Vertreter erklären, um was es geht.

Es gibt natürlich noch viele weitere Musik Genre, die im Medium Film ihr zu Hause gefunden haben. Jedoch alle zu nennen, wäre quasi nicht möglich, da durch Interpretationen und Experimente, es zu einigen Hybriden kommt. Ein Beispiel aus der Filmwelt ist Folgendes der Marke Tiffany.

 

Der Film beginnt schwarzweiß auf der berühmten Straße in New York. Vor dem berühmten Laden. Mit dem berühmten Lied. Sogar das Storytelling ist dem Original Film nachempfunden.

Plötzlich glitzert es im Schaufenster und schon sind wir im Hier und Jetzt. In Farbe. Im Rap. Mit einer perfekt abgestimmten Choreografie. Die Settings. Das Licht. Die Tänzer.
Achso –  der Slogan der Kampagne: Believe in Dreams.

Dann dieses Video mit dieser Interpretation der Musik.

Perfekt.

Also seid offen, hört Musik und traut euch auch mal was.